Aufklärung über Menstruation

Im ländlichen hinduistisch geprägten Nepal sind Mädchen und Frauen in vielfacher Hinsicht benachteiligt. Einer der Hauptgründe hat mit dem Tabu gegenüber Menstruationsblut zu tun. Es verhindert, dass Menstruation als ein natürlicher Vorgang anerkannt wird. Auf Grund von Unwissenheit und Aberglauben erleben Mädchen bei ihrer ersten Menstruation oft Panik und Angst. Man sagt ihnen, Menstruation sei ein Zeichen von Sündhaftigkeit, des Zornes der Götter, etc. Während ihrer Periode gelten sie als schmutzig und dürfen öffentliche Wasserquellen nicht benützen und keine Pflanzen, Kühe oder Männer berühren.

In vielen Teilen im Westen Nepals müssen Mädchen und Frauen zudem während ihrer Menstruation isoliert von zu Hause in kleinen, unhygienischen und ungeheizten Hütten verbringen. Diese Tradition, genannt Chhaupadi, ist zwar gesetzlich verboten aber dennoch sehr weit verbreitet. Tagsüber müssen die Frauen hart körperlich arbeiten. Zum Essen erhalten sie nur Reis, Salz und etwas trockenes Getreide. Wegen des Blut-Tabus müssen viele Frauen unter diesen unhygienischen Bedingungen in Chhaupadi-Hütten ihre Kinder gebären.

Gerade auf dem Land können sich Frauen kaum auf gesunde Weise um ihre Menstruationshygiene kümmern. Bei uns übliche Binden sind entweder unbekannt oder unbezahlbar. In den Schulen gibt es meist keine separaten Toiletten für Mädchen und keine Abfalleimer für Binden. Wo es Zugang zu solchen Einwegbinden gibt, die im Durchschnitt zu 90% aus Plastik bestehen, werden sie oft verbrannt, was zu Luftverschmutzung führt. Oder sie werden in die Flüsse geworfen und gelangen so letztendlich ins Meer.

Insgesamt haben Frauen in den Dörfern wenig Zugang zu Menstruationsbinden. Sie verhelfen sich mit unhygienischen Stoffresten, was leicht zu Infektionen führen kann. Nach Schätzungen von Fachleuten sind in vielen armen Ländern Unwissen und mangelhafte Menstruationshygiene für gut zwei Drittel aller Erkrankungen der Fortpflanzungsorgane verantwortlich, darunter auch Gebärmutterhalskrebs.

Aus Scham, besonders wenn ihre Kleider Blutflecken aufzeigen, bleiben viele Mädchen während ihrer Periode von der Schule weg, so dass sie oft keinen Abschluss erhalten. Dies alles sind einige der Gründe dafür, dass weit über 40% der Frauen in Nepal Analphabetinnen sind, bei den Männern sind es etwa 25%.

Vorhaben:

Der Fokus des Projekts, das die Schöck-Familien-Stiftung unterstützt, liegt darauf, Schülerinnen über Menstruation und Menstruationshygiene aufzuklären und ihnen und ihren Müttern wiederverwendbare, plastikfreie Menstruationsbinden zur Verfügung zu stellen.

Dafür hat HEAR Nepal eine leicht verständliche Broschüre (“Kishoree” = “Pubertät”) überarbeitet und aus dem Englischen ins Nepali übersetzen lassen. In dieser Broschüre geht es um die Themen Pubertät, Menstruation und Menstruationshygiene, Gleichstellung, Vorurteile und sexuellen Missbrauch. Die Broschüre wurde bereits vom Gesundheitsministerium für den Unterricht in den staatlichen Schulen genehmigt.

Zusätzlich sollen auch Jungen über die Themen Pubertät (auch über ihre eigenen körperlichen und emotionalen Veränderungen), über die Funktionsweise von Menstruation und über die negativen Konsequenzen von sexueller Belästigung und Hänseleien aufgeklärt werden. Dafür will HEAR Nepal in Zusammenarbeit mit der National Centre for Health Professions Education (NCHPE) in Kathmandu Lehrinhalte für ein Training entwickeln, welches Organisatoren durchlaufen sollen, um die Jungen in den Schulen zu unterrichten.

Projekttträger:              HEAR Nepal Deutschland e.V.

Projetkpartner:             HEAR Nepal (Kathmandu)

Förderjahr:                    seit 2021

Projektnr.:                     105-20 si

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